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Fischaugen rasieren

Crop-Format-Fisheyes an Vollformatkameras nutzen

Das Nikon 10,5mm Fisheye, das Tokina 10-17mm Fisheye-Zoom, das Sigma 10mm Fisheye und das Walimex 8mm Fisheye für Sony E-Mount haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind für kleinere Sensoren gebaut worden und ihr Bildkreis mit meist 180° in der Bilddiagonalen ist für die Sensorgröße des Canon APS-C-Formats (Crop-Faktor 1,6), des Nikon DX-Formats (1,5) und beim Sony E-Mount für die Sensoren der Alpha 5000- und 6000- sowie NEX-Baureihe, die ebenfalls die APS-C-Größe haben, berechnet.

An einer vollformatigen Kamera lassen sich diese Objektive in der Regel nicht nutzen, weil sie fix angebrachte Sonnenblenden haben. Das hat einen Grund darin, dass die nicht entfernbare Sonnenblende die Glasoberfläche der Fisheye-Objektive so besser schützen kann, die ja im Gegensatz zu den meisten anderen Objektiven hervorsteht. Diese Sonnenblende ragt bei der Nutzung am Vollformat ins Bild und bringt deshalb normalerweise keinen Gewinn mit sich, denn interessant ist der Einsatz solcher Objektive am vollformatigen Sensor ja vor allem deswegen, weil mehr vom Bildkreis eines Fischauges für größere Ergebnisbilder genutzt werden könnte, diese aber eben von der Sonnenblende abgedeckt sind.

Tokina Brennweitenvergleich

Am Tokina 10-17mm Fisheye kann man die Zusammenhänge sehr schön zeigen. Es ist das einzige Fisheye-Zoom, das mit fest montierter Sonnenblende geliefert wird (seit einiger Zeit gibt es allerdings auch eine Version ohne Sonnenblende). Das Pentax 10-17mm Fisheye ist übrigens hier mitgemeint. Es schaut etwas anders aus, als das Tokina, ist aber von der Optik her baugleich. Das andere Fisheye-Zoom, das Canon EF 8-15mm L ƒ/4 hat von Haus aus eine abnehmbare Sonnenblende.
In der Abbildung oben werden die wichtigsten Brennweiten dieses Objektivs am Vollformat gezeigt, in der oberen Reihe mit und in der untere Reihe ohne Sonnenblende. Gelb eingezeichnet ist die Sensorgröße bei einer APS-C-Kamera. Hier wird unmittelbar klar, dass die Sonnenblende den nutzbaren Bildkreis des Fischauges bei vollformatiger Nutzung beschneidet. Erst ab 15mm ist sie nicht mehr sichtbar. Interessant für einen Gebrauch am Vollformat sind aber vor allem die Brennweiten 12 und 13mm. Bei 12mm haben wir 180° in der Vertikalen und kommen mit 4 Aufnahmen auf eine komplette Kugel von 360° x 180°, bei 13mm ist die Diagonale von 180° noch voll im Bild und lässt mit einer gekippten Montage (per Panoramakopf mit Linsenring, »Slanted Mode«) die maximal erreichbare Ergebnisgröße mit 4 Aufnahmen zu.
Die untere Bildreihe zeigt deutlich den Vorteil einer Entfernung der Sonnenblende.

Von Versuchen, diese Sonnenblenden zu entfernen, entweder durch Absägen oder auf der Drehmaschine, existieren im Netz Videos, die man als Fotograf und Linsenbesitzer nicht ohne Gruseln anschauen kann, spielt sich hier doch »mechanische Brutalität« in unmittelbarer Nähe teuer bezahlter Linsen ab.

Mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen und Erfahrung ist das aber machbar. Tobias Vollmer ist sicher mit einigem Abstand derjenige, der das am längsten und häufigsten macht. Sein »Rasur-Service« auf der Website 360pano.de für alle gängigen Fischaugen-Objektive ist in Fachkreisen wohlbekannt. Die Ergebnisse sind äußerst sauber und sprechen für sich und er wird gern weiterempfohlen. Er übernimmt ausdrücklich eine Garantie in Höhe des Neupreises des eingeschickten Objektivs, sollte er die Linse bei der Entfernung der Sonnenblende beschädigen. Dass man natürlich die Herstellergarantie durch diesen Eingriff verliert, betont er ausdrücklich, das sollte aber eh jedem klar sein.

Das Objektiv schickt man (am besten mit Transportversicherung) nach Rücksprache mit ihm ein und bekommt es nach max. 2 Arbeitstagen zurückgesandt. Der Service selbst kostet 50,-- € + Rückversand per DHL (DE 8,-- €, EU 18,-- €). Das ist wenig Geld, wenn man bedenkt, dass man dadurch den Einsatzbereich eines solchen Fischauges erheblich erweitern kann.

Tokina 10-17 vor der Rasur Tokina 10-17 nach der RasurNebenan ein Vorher-Nachher-Vergleich am Beispiel des Tokina 10-17mm Fisheye-Zooms.

Bei Fischaugenobjektiven wird der Objektivdeckel in der Regel von den Flügeln der Sonnenblende gehalten. Damit das Objektiv auch nach der »Rasur« noch mit einem Deckel geschützt werden kann, wird entweder der Originaldeckel entsprechend adaptiert oder ein neuer, speziell angepasster Deckel mitgeliefert. Das ist im Preis inbegriffen.

In zwei Fällen ist diese Manipulation besonders interessant:

• Beim Nikon 10,5 mm Fisheye ist die Nutzung an den FX-Kameras sehr günstig, weil es keine vergleichbare Brennweite für Nikons Vollformate gibt und das nächste Objektiv, was hier in Frage kommt, das 16mm Fullframe Fisheye ist, das keinen besonders guten Ruf hat und mehr Bilder für ein Panorama von 360° x 180° benötigt. Da es bei Canon in diesem Brennweitenbereich nur das teure, große und schwere EF 8-15mm Fisheye-Zoom gibt, nutzen eine ganze Reihe von Canon-Fotografen das Nikkor 10,5mm Fisheye mit einem Adapter an Canon-Vollformat-Gehäusen, was problemlos funktioniert, weil Canon-Gehäuse ein kleineres Auflagemaß haben als diejenigen von Nikon.

• Das Samyang 8mm Fisheye (auch unter den Markennamen »Walimex«, »Rokinon«, »Bower« usw. geführt) gibt es für eine Reihe von Bajonetten von MFT- und APS-C-Kameras. Beim Sony E-Mount ist es für die kleine Alpha-Reihe (5100, 6000, 6300) gedacht und für die NEX-Reihe. Ein Nutzung an der vollformatigen A7-Reihe scheitert an der Sonnenblende. Wird diese entfernt, bekommt man eine Kombination aus Kleinheit und Leichtigkeit des Systems auf der einen Seite und großer Auflösung auf der anderen Seite (bei A7R und A7R Mk II), die derzeit unschlagbar ist.

Hier noch drei Bildbeispiele: Sony A7R mit rasiertem Samyang 8mm und 4 Aufnahmen (Originalgröße 12.220 x 6.110 Pixel, interaktive Ansicht hier).

Panorama A7R shaved Samyang 8mm

Das gleiche Panorama mit der A7R und dem rasierten Tokina 10-17mm Fisheye bei 13mm Brennweite (14.908 x 7.454 Pixel, interaktive Ansicht hier)

Panorama A7R shaved Tokina 10-17mm @ 13mm

Hier noch einige Making-of-Bilder von einem Shooting, bei dem das rasierte Tokina 10-17mm Fisheye mit 15mm Brennweite an der Sony A7R für ein Panorama von 18.916 x 9.458 Pixel benutzt wurde.
Volksgarten Tokina 10-17mmVolksgarten Tokina 10-17mmVolksgarten Tokina 10-17mm

Das »Rasieren« von Fischaugen ist eine überaus lohnende Investition, wenn man von einem bestehenden Panorama-Equipment für eine APS-C- oder DX-Kamera ausgeht und auf das Vollformat wechseln möchte und dabei vorhandene Fisheye-Objektive weiter nutzen will. Auch sind einige Fischaugen, die für Crop-Formate angeboten werden, für das Vollformat interessant von der Brennweite und auch vom Preis her.

Eine weitere, eher spezielle Anwendung ist das Entfernen von kurzen Stummelblenden, die bei sehr weitwinkligen Objektiven vorkommen. Hier ermöglicht das »Rasieren« den Einsatz von Vorsatzfiltern, was sonst nicht gehen würde. Ein Beispiel ist das Voigtländer Super Wide Heliar 15mm.

Für all diese Fälle kann man den Service von 360pano.de ohne Einschränkung empfehlen.

. . . super Bericht. Zwar

. . . super Bericht. Zwar schon oft gehört vom "Rasieren", aber nun bin ich mir sicher, dass ich das auch machen werden bzw. besser machen lasse ;-)) THNX!

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